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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 08:46 
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Das Ding ist wahrscheinlich 1700 Jahre alt und wurde bei Erfurt gefunden:

http://www.sz-online.de/nachrichten/art ... id=3034609

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 13:21 
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Wie süß, auf einen Kamm "Kamm" zu schreiben! :lol: Das amüsiert mich mehr als es sollte.

...Vielleicht in weiser Voraussicht, damit die Archäologen später nicht rumrätseln wozu das Objekt diente. :mrgreen:

Danke für den Link! Sehr interessant. :nickt:

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 15:19 
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Zitat:
Wie süß, auf einen Kamm "Kamm" zu schreiben!


Vielleicht stand ursprünglich auch mehr Text dort? Bei der bisher ältesten (mir bekannten) germanischen Inschrift handelte es sich um ein (Trink-)Horn, auf dem steht etwas wie "Dieses Horn schuf [Name] der [Beiname]" ich weiß nicht, ob da mehr stand. Aus solchen (äußerst seltenen, wie es auch in dem Artikel steht) kennt man überhaupt die germanische Sprache. Karl der Große hat versucht, mit dem Christentum auch das Althochdeutsche durchzusetzen (was heißt versucht). Bei der Christianisierung ist der ganze germanische Kult zerstört worden. So gibt es auch nur noch wenige germanische Zaubersprüche (mir fallen spontan 3 ein, viel mehr gibt es nicht), die erhalten geblieben sind. Einen kennen sicher viele von euch als "Merseburger Zaubersprüche" (nach ihrem Fundort, in dem Lied wird aber nur einer behandelt) von In Extremo. ;-) Was ich sagen will: man weiß sehr wenig über unsere Vorfahren. Auch die Annahme, Germanen seien ungebildet gewesen, kommt daher, dass wenig mit Schrift gefunden wurde ;-)

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 17:20 
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Ich finde ja das Wort "Kaba" an sich schon niedlich ^^
Kann mir aber durch aus auch vorstellen, dass man nur dieses Wort reinritzt. Schrift kann ja auch eine Form der Verziehrung sein.

Nicht nur die fehlenden Schriftzeugnisse der Germanen selbst haben dieses Bild erschaffe, ich glaube da haben andere Schriften von den Römern auch einiges dazu beigetragen ;)


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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 17:45 
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Wie spannend! Was gäbe ich drum, so ein Stück mal in Händen zu halten! :D

Edit: @ Beanrua: Interessant, was Du da zu erzählen hast!

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 18:42 
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Beanrua hat geschrieben:
So gibt es auch nur noch wenige germanische Zaubersprüche (mir fallen spontan 3 ein, viel mehr gibt es nicht)


Vollkommen OT und interessant: Was ist denn der dritte?

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 19:44 
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Vielleicht der Neun-Kräuter-Segen?

Ja, mit den römischen "Berichterstattungen" wurde mitunter ein skurriles Bild vermittelt. Die romantisierende Germanentümelei des 19. Jahrhunderts und schließlich der Missbrauch durch die Nazis (leider bis heute) hat es nicht grad besser gemacht, nur das Bild des dreckigen Barbaren ins krasse (und ebenso unhistorische) Gegenteil des "germanischen Saubermanns" bzw "Sauberfrau" verkehrt. :kotz:

Heute sind in den Medien und der Musikszene wiederum die brüllenden, blutrünstigen Barbaren en vogue. Ne realistische Darstellung abseits von Dokus fänd ich zur Abwechslung mal echt erfrischend. :ugly:

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 21:48 
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Also mir fällt spontan ein:

Merseburger Zaubersprüche:
Der "Eiris sazun ..." soll Fesseln lösen und ein Spruch, mit dem lahme Pferde geheilt werden sollten.

Abseits davon der Bienensegen.

Ja, vor allem auch spannend: Einerseits wurden Kultur, Religion und Sprache streng ausgemerzt, heidnische Rituale standen unter strenger Strafe, es wurde zwangsgetauft, andererseits hat sich ein ziemlich schlauer Kopf den christlichen Kalender ausgedacht.

Beispiel Weihnachten, die wihi nahti, die geweihten Nächte. Auch Rauhnächte, in denen die Geister frei umhergehen. Zu ihnen gehört auch Silvester, wo wir heute noch mit Feuer und Krach die Geister vertreiben. Das gleiche ist es mit Osterfeuern und Osterrädern. Daran ist nichts christliches. Es ist auch kein Zufall, dass wichtige Feste an keltischen/ germanischen Feiertagen sind. Weihnachten/ Mittwinter, Johannisfest/ Mittsommer, Beltante/ Walpurgis (heilige Walburga), Samhain/ Allerheiligen, die Zeugung Jesu lieg um das Frühlingsäquinoqium (Tag- und Nachtgleiche) wo viele vorchristliche/ heidnische Feste angegliedert sind. Umerziehungsversuche, aber die Bräuche sind vielfach erhalten geblieben, auch in anderen Kulturen, wie Halloween (man denke wieder an die Leuchten in den Kürbislaternen) und Mittsomarfesten in Schweden. Sie blieben offenbar geduldet, solange sie nach außen einen christlichen Hintergrund bekommen.

Links:
Merseburger Zaubersprüche
Bienensegen
Pro Nessia
Liebe Grüße, Beanrua

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 22:02 
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Danke Beanrua! Ich finde es so witzig, dass ich mit Deutsch-, Flämisch- und Englischkenntnissen das Althochdeutsche ganz gut verstehen kann. Flämisch ist eine Sprache, die sich, im Gegensatz zu Deutsch und dem holländischen Niederländisch, viel weniger weiterentwickelt hat, d.h. sehr ursprünglich ist.

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 22:26 
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Zitat:
Ich finde es so witzig, dass ich mit Deutsch-, Flämisch- und Englischkenntnissen das Althochdeutsche ganz gut verstehen kann.


Vorsicht vor dem Bedeutungswandel. Besonders das Mittelhochdeutsche birgt da Gefahren, weil es dem Neuhochdeutschen so ähnlich ist. Zum Beispiel "mac" und "mag", mögen im Mittelhochdeutschne bedeutet können, wie heute noch in der Form "vermögen". http://www.germanistik.uni-wuerzburg.de ... ntik_3.pdf

Generell ist es aber so, dass Niederländisch/ Niederdeutsch/ Flämisch auf einer Stufe mit Mittelhochdeutsch sind, sich also danach nicht mehr entscheidend geändert haben.

Ich kann leider kein Flämisch, nur schnödes modernes Niederländisch. Ich kenne aber einen Belgier, mit dem kann ich mich ganz gut verständigen (nicht dass er kein Deutsch könnte^^)

Jetzt bin ich aber vollkommen OT geraten. Ach herrje, tut mir leid, das Thema ist zu interessant.

Liebe Grüße, Beanrua

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 23:17 
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Kein Problem, mach ruhig weiter. :popcorn: :mrgreen:

Kennst du dich auch mit Altsächsisch aus?

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 23:52 
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Beanrua hat geschrieben:
Vorsicht vor dem Bedeutungswandel. Besonders das Mittelhochdeutsche birgt da Gefahren, weil es dem Neuhochdeutschen so ähnlich ist.

Das mit dem Bedeutungswandel stößt mir beim Flämischen ständig auf. :lol: Es gibt so viele Worte (ist wohl im NL auch so), die genauso geschrieben werden, wie ein deutsches Wort, aber eine für uns unbekannte oder vergessene Bedeutung haben.

NL zat = D voll (betrunken)
NL vol = D satt

NL kleinkind = D Enkel
NL Enkel = D Fußknöchel

Danke für den Link übrigens, werde mal stöbern. Ich hätte wirklich Sprachgeschichte studieren müssen, aber als mir das klar wurde, war der Zug schon abgefahren.

Gibt es auch Verwandschaft zwischen der gesprochenen Runensprache und Deutsch?

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BeitragVerfasst: 13.04.2012, 23:57 
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Wie cool, sowas fasziniert mich ja irgendwie schon. Fand ich auch in Geschichte immer interessant: wie die Leute damals gelebt haben. Sobald's um politische Zusammenhänge gehen hab ich mich gelangweilt :ugly:

Edit: Bzgl. Sprache: Ich hab gerade letzte Woche mit ÄDL (= Ältere Deutsche Literatur) begonnen und find das jetzt schon total spannend. Merseburger Zaubersprüche haben wir auch schon kurz angesprochen, geht allgemein um Sprachentwicklung etc. Super interessant.

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BeitragVerfasst: 14.04.2012, 12:58 
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Wind In Her Hair hat geschrieben:
Kennst du dich auch mit Altsächsisch aus?


Ein bißchen. Altsächsisch ist ein anderes Wort für Altniederdeutsch, also die Vor-Form des Platt. Das heutige Platt, dass im Norden, aber auch beispielsweise in Nordrhein-Westfalen (wobei Rheinländer ihren Dialekt gerne als Platt bezeichnen, was er aber nicht ist, sondern eine Zwischenform zwischen Hoch- und Niederdeutsch) und Nordhessen gesprochen wird, ist Mittelniederdeutsch. Das Plattdeutsche gilt als ausgestorben mit dem Untergang der Hanse, denn Sprache braucht Ãœberregionalität (Fernsehen, Zeitung, Internet tragen dazu bei). Was es jetzt noch gibt, sind kleine Sprachinseln, selten geht aber die Unterhaltung über die Familie/ Ehepartner hinaus, weil mit den Kindern/ Enkeln und im Supermarkt usw. Hochdeutsch gesprochen wird. Bei uns hier in NRW und auch in Nordhessen hat jedes Dorf "sein eigenes Platt". Im Norden wird das Platte mehr gepflegt.
Äh, Moment, was wolltest du denn wissen? ;-)

Zitat:
Gibt es auch Verwandschaft zwischen der gesprochenen Runensprache und Deutsch?


Du sprichst jetzt den Kamm an? Um wieder zurück zum Thema zu kommen? ;-)

Ich hol mal aus, versuche aber, mich knapp zu halten.

Man spricht von der Indogermanischen/ Indoeuropäischen Sprachfamilie.

Fast alle europäischen Sprachen (außer Finnisch, Baskisch und Ungarisch) sind enger oder weiter miteinander "verwandt".

Warum "Indo-"?
Ein britischer Hobbyforscher (eigentlich Beamter des englischen Königshauses) wurde in die Kolonie Indien geschickt. Dort fand er heraus, dass es eine heilige indische Sprache namens Sanskrit gibt, die unseren Sprachen, besonders dem lateinischen, ähnlich ist. Der Deutsche Franz Bopp vertiefte diese Forschungen.

Vorher gab es in der Wissenschaft überhaupt keine richtigen Fakultäten, wie man es heute kennt, sondern den sogenannten Universalgelehrten. Jetzt aber versuchte sozusagen das ganze 19. Jahrhundert, das Gegenteil zu Beweisen, dass die heilige Sprache Latein und auch nicht das geliebte Deutsch mit einer Kolonialsprache, mit etwas minderwertigem verwandt sein könnte. Kurzum, sie fanden nichts als Beweise FÃœR die Verwandschaft.

Historisch gesehen geht es also mit einer angenommenen und teilweise rekonstruierten Sprache namens Indogermanisch los. Dafür gibt es keine Beweise, aber man nimmt vielfach an, dass alles aus einer Sprache entstanden ist.

Die ältesten bekannten Sprachen sind dann Latein, Altgriechisch, Sanskrit (es gibt noch mehr, ausgestorbene Sprachen, ich füg gleich am Ende mal einen Link zu seinem Sprachbaum ein, da kann man das super sehen).

Es ist ein bißchen kompliziert, ich versuche zu vereinfachen.

Zuerst einmal: Man kann nicht "vom Germanischen" sprechen. Es gibt wahrscheinlich etliche germianische Dialekte, deswegen spricht man von "den germanischen Sprachen". Daher wohl auch der Begriff "Altsächsisch", denn die Sachsen waren das größte germanische Volk, sie sind ja sogar bis England (Angelsachsen) gelangt ;-)

Die germanischen Sprachen splitten sich irgendwann zwischen 10.000 und 1.000 vor Christus durch die 1. Lautverschiebung (Grimm's Law) von den Indogermanischen Sprachen (s.o.) ab. Wann genau oder warum das geschah, weiß man nicht. Neuere Forschungen gehen von 500 vor Christus aus.

Alle Laute haben sich verändert, besonders aber die Verschlusslaute p, t und k. P=F wie in lateinisch piscis, deutsch Fisch, engl. fish; k=ch (später h): lat. corde, engl heart; t=th (im Deutschend später weiter zu d): lat. tertius, engl. three. Es gibt noch mehr, aber wir wollen es hierbei belassen.

Aus dem Germanischen entwickelte sich das Althoch- und Altniederdeutsche. Und zwar wieder mit einer Lautverschiebung. Die zweite Lautverschiebung geschah um 600 n. Chr. Um 800 war sie noch nicht abgeschlossen. Karl der Große verbreitete mit seiner Christianisierung das Althochdeutsche. Man geht beim Althochdeutschen daher von einem Zeitraum von 800 bis 1050 aus.
Die anderen germanischen (Westgermanisch: Niederländisch, Flämisch, Englisch; Nordgermanisch: Norwegisch, Isländisch, Dänisch, Schwedisch usw.) Sprachen haben die zweite Lautverschiebung nicht mitgemacht.

Wieder Beispiele:
Wieder waren am deutlichsten p,t und k betroffen:
P=PF (Wortanfang) oder f (Wortmitte) engl. pan, deutsch Pfanne; niederl. slapen, deutsch schlafen
T=TS oder SS: engl. cat, deutsch Katze; engl. niederdt. water, deutsch Wasser
K=KCH (später ch, außer in der Schweiz und Teilen Bayerns): englisch cook, deutsch kochen, englisch make, deutsch machen usw.

gibt noch mehr tolle Beispiele, das Thema ist vollkommen fesselnd, finde ich, weil es für Jedermann zeigt und belegt, dass die Sprachen verwandt sind und wie sie sich entwickelt haben.
Außerdem war das Althochdeutsche volltönend, das heißt, zwischen den Konsonanten stand immer ein betonter Vokal. Beispiel: Himile.

Der Mittelhochdeutsche beginnt 1050 und endet 1350.
Frühneuhochdeutsch 1350 bis 1650, ab da Mittelhochdeutsch (eine genauere Einteilung werden wohl spätere Generationen machen).
"Wechselerscheinungen" sind nicht so einschneidend wie die Lautverschiebung, aber auch deutlich und für uns alle spürbar. Diesmal betrifft es mal Vokale.

Neuhochdeutsche Monophthongierung:
li-eb - lieb
guot - gut

Neuhochdeutsche Diphthongierung:
Mus - Maus
min- mein

usw.

Um die Frage zu beantworten: Der Kamm gehört ins Germanische, das wäre also der Uropa unserer heutigen Sprache.


Ich übernehme keinerlei Garantien.

Liebe Grüße, Beanrua

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BeitragVerfasst: 14.04.2012, 13:35 
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Danke für den tollen Exkurs, Beanrua! :)

Beanrua hat geschrieben:
Wind In Her Hair hat geschrieben:
Kennst du dich auch mit Altsächsisch aus?


Ein bißchen. Altsächsisch ist ein anderes Wort für Altniederdeutsch, also die Vor-Form des Platt. Das heutige Platt, dass im Norden, aber auch beispielsweise in Nordrhein-Westfalen (wobei Rheinländer ihren Dialekt gerne als Platt bezeichnen, was er aber nicht ist, sondern eine Zwischenform zwischen Hoch- und Niederdeutsch) und Nordhessen gesprochen wird, ist Mittelniederdeutsch. Das Plattdeutsche gilt als ausgestorben mit dem Untergang der Hanse, denn Sprache braucht Ãœberregionalität (Fernsehen, Zeitung, Internet tragen dazu bei). Was es jetzt noch gibt, sind kleine Sprachinseln, selten geht aber die Unterhaltung über die Familie/ Ehepartner hinaus, weil mit den Kindern/ Enkeln und im Supermarkt usw. Hochdeutsch gesprochen wird. Bei uns hier in NRW und auch in Nordhessen hat jedes Dorf "sein eigenes Platt". Im Norden wird das Platte mehr gepflegt.
Äh, Moment, was wolltest du denn wissen? ;-)

Öh... Also letztlich läuft es wohl auf die Frage hinaus, ob es heute noch möglich ist, diese Sprache (diesen Dialekt?) so zu lernen, dass man sie theoretisch im Alltag verwenden könnte (wenn es genug andere Freaks gibt, die das lernen). :ugly:
Mich fasziniert daran, wie leicht verständlich die Sprache vom heutigen Hochdeutsch aus immer noch ist, und gleichzeitig gefällt mir der (vermutete) Klang sehr. Deswegen spiele ich mit dem Gedanken, mich mal etwas intensiver damit zu befassen.


Zitat:
Warum "Indo-"?
Ein britischer Hobbyforscher (eigentlich Beamter des englischen Königshauses) wurde in die Kolonie Indien geschickt. Dort fand er heraus, dass es eine heilige indische Sprache namens Sanskrit gibt, die unseren Sprachen, besonders dem lateinischen, ähnlich ist. Der Deutsche Franz Bopp vertiefte diese Forschungen.

Vorher gab es in der Wissenschaft überhaupt keine richtigen Fakultäten, wie man es heute kennt, sondern den sogenannten Universalgelehrten. Jetzt aber versuchte sozusagen das ganze 19. Jahrhundert, das Gegenteil zu Beweisen, dass die heilige Sprache Latein und auch nicht das geliebte Deutsch mit einer Kolonialsprache, mit etwas minderwertigem verwandt sein könnte. Kurzum, sie fanden nichts als Beweise FÃœR die Verwandschaft.

Historisch gesehen geht es also mit einer angenommenen und teilweise rekonstruierten Sprache namens Indogermanisch los. Dafür gibt es keine Beweise, aber man nimmt vielfach an, dass alles aus einer Sprache entstanden ist.

Meines Wissens gehen Archäologen und Sprachwissenschaftler zur Zeit am ehesten davon aus, dass der Ursprung der angenommenen indogermanischen oder -europäischen "Ursprache" in Kleinasien oder in den Steppen des Kaukasus liegen könnte. Von dort könnte sie sich im Zuge verschiedener Völkerwanderungen (einige in Richtung des heutigen Indien, andere nach Westen ins heutige Mittel- und Osteuropa und später weiter nach Norden) verbreitet und in andere Dialekte und schließlich eigene Sprachen aufgesplittet haben.

Jetzt mal in Laienworten so wiedergegeben, wie ich es verstanden habe.

Ich finde das alles jedenfalls sehr spannend. 8)

On Topic zu dem Kamm nochmal: Könnte das ein Kind geschrieben haben, das sich vielleicht einfach mal an den neu gelernten Runen ausprobieren wollte? Nach Schmuckschrift sieht mir das eigentlich weniger aus. Und das schlichte Wort "Kamm" auf einem Kamm hat schon was... kindliches, finde ich. *kreativ hypothetisier*

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